Als die passive Anlagestrategie mit Indexfonds und ETFs verspricht, am Wachstum der Weltwirtschaft teilzuhaben, ohne einzelne Aktien zuanalysieren, Marktzeitpunkte zu timen oder teure Fondsmanager bezahlen zu müssen. Was vor knapp 50 Jahren als revolutionäre Idee begann, ist heute für Millionen Anleger die Basis ihres Vermögensaufbaus. Doch was steckt wirklich dahinter? Und ist passives Investieren immer die richtige Wahl?
Was bedeutet passive Anlagestrategie?
Der Grundgedanke ist bestechend einfach: Statt zu versuchen, den Markt zu schlagen, wird er einfach abgebildet. Ein Indexfonds oder ETF bildet einen Börsenindex wie den DAX, den S&P 500 oder den MSCI World möglichst genau nach. Steigt der Index, steigt der Fonds. Fällt er, fällt auch der Fonds. Diese Strategie wird als „passiv“ bezeichnet, weil kein Fondsmanager aktiv Entscheidungen trifft, welche Aktien gekauft oder verkauft werden sollen.
Die Idee geht auf den Ökonom Burton Malkiel („A Random Walk Down Wall Street“) und Jack Bogle, den Gründer von Vanguard, zurück. 1976 legte Bogle den ersten Indexfonds für Privatanleger auf – und stieß damit zunächst auf erheblichen Widerstand der Finanzbranche.
ETFs im Vergleich zu aktiven Fonds
Die entscheidende Frage für Anleger lautet: Können aktive Fondsmanager tatsächlich eine bessere Rendite erzielen als der Markt? Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig.
Die Kostenfalle aktiver Fonds
Aktiv gemanagte Fonds sind teuer. Während die laufenden Kosten bei ETFs im Schnitt nur zwischen 0,05 und 0,8 Prozent pro Jahr liegen, verlangen aktive Fonds oft 1,5 bis 1,8 Prozent – zusätzlich fallen manchmal Ausgabeaufschläge von bis zu 5 Prozent an . Auf lange Sicht wirkt dieser Kostenunterschied wie ein Rendite-Bremseffekt.
Eine Beispielrechnung macht dies deutlich: Bei einem monatlichen Sparplan von 150 Euro über 30 Jahre erzielt ein ETF mit 0,2 Prozent Kosten ein Endkapital von rund 170.000 Euro (bei angenommen 7 Prozent Rendite). Ein aktiver Fonds mit 1,8 Prozent Kosten kommt unter sonst gleichen Bedingungen nur auf etwa 127.000 Euro – ein Unterschied von 42.774 Euro, allein aufgrund der höheren Gebühren.
Die Performance-Lücke
Die höheren Kosten wären gerechtfertigt, wenn aktive Fonds regelmäßig besser abschneiden würden. Das Gegenteil ist der Fall: Die SPIVA-Studie von S&P Global zeigt, dass über einen Zeitraum von zehn Jahren rund 92 Prozent der aktiven Fonds für europäische Aktien ihren Vergleichsindex nicht schlagen konnten. Bei weltweit investierenden Fonds lag die Versagerquote sogar bei 98 Prozent.
Risiken und Grenzen von ETFs
Auch passive Anlagen sind nicht ohne Risiko – denn auch sie unterliegen Marktgesetzen und strukturellen Faktoren. Hier die wichtigsten Punkte, die Anleger kennen sollten:
Marktrisiko: ETFs bilden Kursbewegungen eins zu eins ab, weil sie lediglich einen Index nachbilden. Deshalb gibt es in fallenden Märkten auch keinen Schutz – denn ein ETF kann nicht besser sein als der Markt, den er abbildet.
Schließung von ETFs: Wenn das Fondsvolumen zu gering ist (häufig unter 100 Millionen Euro), dann kann ein ETF aufgelöst werden. Das betrifft vor allem Anbieter, die sich aus unrentablen Produkten zurückziehen.
Nischen-ETFs: In speziellen Segmenten wie erneuerbaren Energien oder Biotechnologie kann es passieren, dass ETFs schlechter abschneiden als aktive Fonds. Der Grund: Diese Märkte sind oft komplex, und hier lohnt sich manchmal die Expertise aktiver Manager.
Systemrisiko: Immer wieder warnen Experten vor der hohen Konzentration von Kapital in ETFs. Bisher haben sich diese Befürchtungen zwar nicht bestätigt, dennoch bleibt das Thema gerade bei weiter wachsenden Volumina relevant.
Steuerliche Aspekte bei ETFs
Seit der Investmentsteuerreform 2018 gilt für thesaurierende ETFs die Vorabpauschale. Dabei wird ein fiktiver Gewinn versteuert, auch wenn keine Anteile verkauft wurden.
So wird gerechnet:
ETF-Wert am Jahresanfang × Basiszins × 0,7 = Vorabpauschale
Die Bundesbank legt den Basiszins jährlich neu fest – für 2025 beträgt er 2,53 Prozent. Wichtig: Die Vorabpauschale stellt keine zusätzliche Steuer dar, sondern eine Vorauszahlung auf spätere Gewinne. Beim Verkauf rechnet das Finanzamt die bereits gezahlten Beträge an.
Praktische Entlastung:
Sparerpauschbetrag nutzen (1.000 Euro pro Person)
Freistellungsauftrag bei der Bank einrichten
Bei geringem Einkommen: Günstigerprüfung beantragen
Für wen eignet sich die passive Strategie?
Die passive Anlagestrategie ist nicht für jeden geeignet, denn sie erfordert eine bestimmte Haltung und Anlagephilosophie. Grundsätzlich eignet sie sich jedoch besonders für Anleger, die langfristig denken und Kosten scheuen.
Fazit: Passiv investieren – eine kluge Entscheidung
Indexfonds und ETFs haben die Geldanlage demokratisiert. Mit geringen Kosten, breiter Streuung und ohne die Notwendigkeit, die „richtigen“ Aktien oder den „richtigen“ Fondsmanager zu finden, können Anleger langfristig vom Wachstum der Weltwirtschaft profitieren.
Der vielleicht größte Vorteil ist psychologischer Natur: Wer passiv investiert, verzichtet auf den vergeblichen Versuch, den Markt zu timen oder die nächste Super-Aktie zu finden. Stattdessen setzt man auf die Kraft des Zinseszinseffekts und die historisch belegte Aufwärtsrichtung der Märkte.
Die Entscheidung muss nicht absolut sein: Viele Anleger kombinieren einen breit gestreuten ETF-Kern mit einzelnen aktiven Fonds für spezielle Themen. Hauptsache, man fängt überhaupt an – und bleibt dran.
